Sebastian Hirn Werkverzeichnis








abandoned positions

Ausstellung von Sebastian Hirn in Zusammenarbeit

mit Lisa Hörstmann, München/Wien/Tucson (AZ) 2020-2022 


kuratiert von Nina Holm
basierend auf Interviews mit Aktivist*innen, NGOs, Exiliraker*innen und Irakkriegsveteran*innen 
gefördert vom Kulturreferat der LH München, dem Verein Ausstellungshaus für christliche Kunst und dem Bezirk Oberbayern



Die Ausstellung »abandoned positions« von Sebastian Hirn und Lisa Hörstmann setzt sich anhand von Interviews und dokumentarischem Filmmaterial mit dem Irakkrieg von 2003 und seinen direkten wie indirekten Folgen auseinander. In der Zusammenstellung werden Entwicklungslinien aufgezeigt, die von der Neuausrichtung amerikanischer Außenpolitik nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion bis in die politische Situation der Gegenwart reichen.
Im unteren Stock des Kunstraum München wurden sechs Monitore auf Sockeln platziert. Auf den Monitoren liefen Interviews ausgewählter Protagonisten, die man über Kopfhörer verfolgen konnte. Im oberen Stockwerk wurde die Fensterfront mit einer Wand verschlossen. Auf diese und die angrenzende Eckwand wurde mit drei Projektoren ein Zusammenschnitt aus Interview- und Filmmaterial projiziert, das während verschiedener Recherchephasen gedreht worden war.
Auf einem, auf fünf Sockeln verteilten LED Band konnte man theoretische Texte neokonservativer Vordenker sowie theoretische Texte zum Kolonialismus lesen. Für den Kunstraum Nestroyhof wurde die Anordnung der Exponate den räumlichen Gegebenheiten entsprechend angepasst. Die Ausstellung gibt den unterschiedlichen, teils widersprüchlichen Perspektiven und Erfahrungen von Soldat*innen, Aktivist*innen und Iraker*innen Raum und lässt sie kommentarlos nebeneinander stehen. Durch die Anordnung wird den Besucher*innen die Möglichkeit gegeben, sich ein eigenes Bild jenseits der herkömmlichen Berichterstattung zu machen.
Im Rahmen der Ausstellung im Kunstraum München entstand eine Edition.

Süddeutsche Zeitung, 7. Februar 2020



Kunstraum München, 06.02. – 08.03.2020



Kunstraum Nestroyhof, Wien, 11.07. – 20.08.2020



Pidgin Palace Arts, Tucson, AZ, USA 03.09. – 11.09.2022



Raum S4.17 beim Festival »theaters of war(s)«, Mannheim, 27.09. - 05.10.2025




theater of war(s)


Kurator des interdisziplinären Festivals bei zeitraumexit mit Johanna Baumgärtel



Mannheim, 25.09.2025-05.10.2025

Credits


Das Festival befragte in verschiedenen künstlerischen Formaten, Theater, Tanz, Performance, Installation, Film und einer begleitenden Diskursreihe die kriegerische Geschichte unserer Gegenwart und Vergangenheit aus verschiedenen zeitlichen und geografischen Perspektiven.  

Mit den Kooperationspartner*innen, dem Cinema Quadrat, den Reiss-Engelhorn Museen, dem Heidelberger Kunstverein, dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, dem Arbeitskreis Kolonialgeschichte, dem Museum Sammlung Prinzhorn, dem Raum S4.17, dem Leibniz-Institut für Deutsche Sprache wurde mit dem Festivalzentrum im zeitraumexit die ganze Stadt bespielt.

Der Titel, abgeleitet aus dem Lateinischen »Theatrum Belli«, der sich in der frühen Neuzeit für Kriegsschauplätze etabliert hatte, verwies auf den methodischen Versuch, sich dem Thema nicht nur intellektuell, sondern auch assoziativ und körperlich zu nähern. 
Verbunden mit dem Thema um militärische Fragen wurden ethische, juristische, aber auch wirtschaftliche Aspekte thematisiert.

Im Rahmen der Diskursreihe führte Sebastian Hirn mit verschiedienen geladenen Gästen zu folgenden Themen Gespräche: »Deutscher Militarismus im Spiegel der kolonialen Vergangenheit« (Dr. Dr. Matthias Häussler, Prince Kamaazengi Marenga), »Dehumanisierung der Sprache« (Prof. Dr. Deborah Kämper), »Kriegsverbrechen und Internationale Ordnung« (Dr. Julia Duchrow,  Dr. h. c. Hans von Sponeck), »KI-Einsatz im Krieg und im Rahmen von innerer Sicherheit« ( Christian Heck), »Ökonomie und Krieg«, »Ökologie und Krieg«, ( Jacqueline Andres), »PTSD und Moral Injury« ( Dr. Sigurd Rink), sowie Johanna Baumgärtel zu »Kriegsgräberfürsorge« (Julian Keil) sowie »Krieg und Wahnsinn« (PD Dr. Thomas Röske) behandelt.


Diskussionsreihe im Rahmen des Festivals








unwritten archives - a parade for the 21st century

Gedenkzug mit Ovaherero-Reitern und Musiker*innen durch Mannheim



Mannheim, 25.09.2025


Credits


Mit einem Gedenkzug von Ovaherero-Reitern aus Namibia und Musiker*innen aus Mannheim wurde das Festival »theater of war(s)« in Mannheim eröffnet.

Der Marsch, der ursprünglich durch die Innenstadt führen sollte, musste mangels Genehmigung mit strengen Sicherheitsauflagen an den Neckarauen durchgeführt werden. Die Uniformen der Reiter, erinnerten an die Bekleidung der deutschen Schutztruppe, die in der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika einen Völkermord an den Ovaherero und Nama begangen hatten. In einer Intervention rief der Dichter Prince Kamaazengi Marenga, dessen Vorfahren vor den deutschen Soldaten durch die Omaheke-Wüste nach Botswana fliehen mussten, Bilder von Flucht und Vertreibung wach, während die Musiker*innen aus Mannheim in einer Komposition von Friedrich Stockmeier die Möglichkeiten des Gedenkens mit einer Musik befragten, die als Marsch zum Gleichschritt auffordert und an militärischen Gebrauch erinnert.


Der Zug endete auf der Brache von zeitraumexit Mannheim.

Dort wurde ein Film präsentiert, der in Zusammenarbeit mit den Reiss-Engelhorn-Museen im Depot des Museums gefilmt worden war. Der Gang durch die Sammlung offenbarte hunderte namibische Kunst und Kulturgegenstände. Der Provinienzforscher des Museums Jamie Dau verlas dazu die seitenlangen Einträge aus dem Inventarverzeichnis.



Ohnmacht und Schweigen im Angesicht eines noch immer nicht erfolgten „Aussöhnungsabkommens“ zwischen Namibia und Deutschland wurden im gemeinsamen Erinnern präsent.









Grabmal Jochen Paul

Grabmalentwurf für den Architektur- und Kunstjournalisten Jochen Paul




Gestaltung eines Grabmals mit QR Code.
Umsetzung in Zusammenarbeit mit dem Kunstschmied Jörg Euteneuer und dem Informatiker Ole Heinzow.

Aufstellung, Ostfriedhof München, 09.05.2025



Das Grabmal verweist mit seinem QR-Code auf eine Auswahl von Artikeln, die der Redaktuer Jochen Paul über Architektur und über Kunstausstellungen geschrieben hat. Die Form des Grabzeichens greift Elemente der Klassischen Moderne - eine Vorliebe Jochen Pauls - auf und führt sie mit organischen Formen zusammen.

Wie Schilfrohr oder Bambus erwächst neues Leben aus der Erde. Das Material spiegelt das Sonnenlicht, wirft die Strahlen auf die Besuchenden und schafft so eine Verbindung von irdischem und transzendentem.